Die "Böhm-Waldzithern" von GEWA

Diese Seite entstand als ein Nebenprodukt der Beschäftigung mit den Waldzithern von C. H. Böhm. Das Ende der Firma Böhm in Hamburg bedeutete nähmlich nicht das Ende der Produktion von Waldzithern nach dem von C. H. Böhm entwickelten Typ. Der Muskinstrumenten-Produzent Georg Walther aus Adorf/Vogtland und Inhaber der Firma GEWA kaufte die Firma Böhm noch vor Ende des 2. Weltkriegs (nach gegenwärtigem Erkenntnisstand vermutlich 1942) und stellte bis in die 1960er Jahre weiter Waldzithern nach Böhm'schem Vorbild her. Die Firma GEWA zog nach Kriegsende nach Mittenwald/Karwendel (also in den Westen Deutschlands) um, die meisten von ihr produzierten Waldzithern dieses Typs dürften also dort hergestellt worden sein. (Die heute von der Firma GEWA vertriebenen Waldzithern sind nach Thüringer Vorbild gestaltet und haben mit den alten Böhm- Instrumenten nichts mehr zu tun.)

Bisher sind vier GEWA-Modelle bekannt, die in ihrem Design klar an die Böhm-Waldzithern angelehnt sind. Im GEWA-Katalog von 1960 werden jedoch nur zwei solche Modelle gezeigt, die anderen beiden wurden möglicherweise zu dieser Zeit gar nicht mehr hergestellt. Dazu kommt ein Modell (Nr. 1140 im Katalog), das zwar eine Embergher-Mechanik besitzt, aber trotzdem ein Etikett mit der Aufschrift "Verkauf der echten 'Böhm-Waldzither'" trägt (welche Etiketten die übrigen Thüringer Waldzithern aus diesem Katalog tragen, ist nicht bekannt).

Die vier von der Firma GEWA als "Original 'Böhm' Waldzithern" hergestellten Instrumente (hier Modell A-D genannt) können ihre Verwandtschaft mit den Böhm-Instrumenten nicht verleugnen. Es gibt aber eine Reihe von Merkmalen, durch die sie sich recht sicher von diesen unterscheiden lassen. Eine echte Gefahr der Verwechlsung zwischen Böhm- und GEWA-Waldzithern gibt es nur bei einem dieser Modelle (welches jedoch der von GEWA am meisten produzierte Typ ist): Der hier "Modell B" genannte Typ (Nr. 1151 im Katalog) ist zunächst eine exakte Fortführung von Böhms Nr. 1A, im Laufe der Zeit werden jedoch auch hier die Abweichungen gegenüber den Original-Instrumenten von Böhm immer größer.

Dies hat unter anderem damit zu tun, dass Georg Walther mit den Rechten an der Herstellung von Böhm-Waldzithern offenbar auch die Reste der alten Böhm-Produktion erworben hat, so dass die ersten von ihm gebauten Instrumente noch zahlreiche Original-Bauteile von Böhm aufweisen. (Die von GEWA verwendeten Mechan iken und Saitenhalter sind auf der Seite zu den Waldzithern von C. H. Böhm dokumentiert.)

Da die GEWA auch die Reste der letzten Generation von Böhm- Etiketten mit übernahm und dort nur den weißen Kasten frei ließ, in den die Firma Böhm bisher ihre Adresse eingedruckt hatte, gibt es ein paar wenige Instrumente, bei denen nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob sie trotz des leeren Kastens auf dem Etikett noch in der Werkstatt von Böhm hergestellt wurden oder ob sie noch im alten Böhm-Design bei GEWA in Adorf gebaut wurden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der  weiße Kasten auf dem Etikett unten links tatsächlich nur bei den GEWA-Instrumenten leer blieb (ein paar Böhm-Instrumente, bei denen in diesen Kasten die Adresse eines Musikhauses einer anderen Stadt eingedruckt ist, sind bekannt), dies ist zur Zeit aber nicht zu 100% gewiss. Das rechte Nachfolge-Etikett, bei dem die (von GEWA offenbar nie hergestellte) Walddoline nicht mehr genannt ist, findet sich hingegen nur in GEWA-Instrumenten.

Weitere Merkmale, die sich nur an GEWA-Instrumenten finden und die somit ein sicheres Unter-scheidungskriterium darstellen, sind a) ein Steg aus Ebenholz, b) abgeschrägte Ecken am Ende des Griffbretts (bei Böhm laufen diese immer spitz zu), c) ein Nullbund anstelle eines Sattels aus Metall, d) ein dreiteiliger Hals, der zum Kopf hin eher dreieckig als rund zuläuft, e) Mech a niken und Saitenhalter mit einem von den alten Böhm-Produkten klar abweichenden Design.

Dies gilt natürlich nur für Instrumente im Originalzustand: Steg, Mechanik und Saitenhalter kann man ohne größere Probleme nachträglich austauschen; die Firma GEWA bietet Holzstege, Mechaniken und Saitenhalter in ihrem Katalog von 1960 auch separat zum Verkauf an. Vor allem den Glasstegen auf einigen GEWA-Waldzithern sollte man daher keine allzu große Bedeutung beimessen, nicht selten sind diese erst später auf die Instrumente gekommen, um den von den Böhm- Instrumenten her bekannten Klang (oder eine bessere Saitenlage) zu erzielen. Abgesehen von einigen wenigen frühen Exemplaren dürften sämtliche GEWA-Waldzithern werksseitig mit den besagten Stegen aus Ebenholz ausgestattet gewesen sein.